Eine Sprachreise (8)

Heute will ich’s mal eher kurz halten. Bin ja mittlerweile in Katowice (Kattowitz). Abschied von Kraków:

Mein Hotel ist ebenfalls wieder downtown und sehr sauber und neu. Dabei mit 25 € pro Nacht recht günstig. Leider habe ich diesmal kein Glück gehabt und tatsächlich ein Einzelzimmer bekommen, das ist natürlich dann platzmäßig nicht so der Brüller. Trotzdem ist es o.k., im Sommer möchte ich aber nicht hier sein: Vor dem Fenster läuft eine große Straße lang. Da wäre an Schlaf sicher nicht zu denken, wenn man frische Luft haben will. Zumal es auch hier in Polen mittlerweile eine größere Zahl an Deppen gibt, die mit ihren aufgemotzten Kisten ihren zu kleinen… o.k., lassen wir das 😉

Wenn man mal zur See gefahren ist, ist das ganz erträglich

Wer eine Reise tut. Es ist eigentlich einfach: In A setzt man sich in den Zug, der in B seine Endstation hat. Null schwierig. Außer, dass man ein Ticket braucht und den Bahnsteig wissen sollte. Ticket geht prima, man kann den Automat auf Deutsch umschalten und dann läuft das wie am Schnürchen. Bis zum Bezahlen. Das wiederum ist dann wieder auf Polnisch. Der Automat präsentiert diverse Tarife von – bis. Als erstes schlägt er mir irgendeine Seniorenkarte vor. Nein, noch ist’s nicht ganz so schlimm. Dann noch was für Leute, die drei Finger an der linken Hand oder rechts den großen Zeh amputiert haben. Oder sowas in der Art. Den Rest versteht auch google nicht mehr und ich nehme einfach die teuerste Karte. Was nach einer eingehenden Kontrolle im Zug dann auch für richtig befunden wurde.
Fehlt noch Bahnsteig. Dafür gibt es in jedem Bahnhof so große Aushänge mit Abfahrt und Ankunft, das weiß ich genau. Hier gibt es die aber nur in den Aufgängen zu den Bahnsteigen, da muss man erstmal draufkommen.

Also Plan A sagt, 16:45 Uhr Gleis 3. Das ist einfach, klare Ansage.
Allerdings sagt Plan B, 16:45 Gleis 5. Was nun?

Am besten früh genug da sein und einen Blick auf die Anzeigetafel werfen:


Ist doch klar, 16:45 Uhr Gleis 2 ist richtig 😉

Das war aber kein wirkliches Problem, weil der Zug da schon rumstand. Leider aber abgeschlossen, so dass man noch ein wenig auf und ab spazieren und sich bei strammem Ostwind in Geduld und Gleichmut üben konnte.

Heute stand dann also das nächste Abenteuer auf dem Plan. Diesmal eher virtueller Natur: Ich wollte die erste Ladung Katzentransportkörbe ordern. Erstmal im Internet rumgesucht, ich hatte neulich schon eine gute Seite gefunden, wo es ganz passable Kisten für wenig Geld gab. Leider habe ich die nicht mehr wiedergefunden. Und ich habe auch ein Weilchen gebraucht, um auf einer Seite mit einer richtig guten Auswahl zu kapieren, dass das alles nur einzelne – im Zweifel kleine – Krauter sind, die sich hier unter dem Dach eines Onlineportals zusammengefunden haben. Da wird’s sicher nix mit 30 Katzenkisten auf einen Schlag…

Auf dem Monitor sieht ja das meiste nach glänzendem Gold aus, inklusive Top-Bewertungen. Mein google-Translator läuft schon heiß, google lens sowieso. Das ist schon eine riesige Hilfe, wenn man nur noch was abfotografieren muss und dann gleich die Übersetzung dazu bekommt. Aber insgesamt ist es natürlich noch schwieriger, die Vertrauenswürdigkeit eines Onlineshops einzuschätzen.

Erstaunlich, vielmehr erschreckend, ist auch die Standort-Kalibrierungsfunktion mittels Kamera bei google maps: Man muss den Kamerablick noch nicht mal groß schwenken, schon hat google in einer Sekunde exakt erkannt, vor welchem Gebäude man gerade steht. Schon ein bisschen gruselig.

Aber ich habe es nun aufgegeben und kapituliere. Meine Tierschützer kommunizieren per facebook. Also tu ich das jetzt auch. Im gleichen Zug habe ich auch wieder WhassApp installiert – man wird ja von diversen Vereinen, Institutionen und Arbeitsplätzen einfach ausgeschlossen, wenn man sich der Nutzung verweigert. Dabei wäre doch Signal eine astreine Alternative. Egal, sage ich mir, ’nu is‘ eh scho wuaschd‘ wie der Österreicher sagt und 10 Milliarden Fliegen können schließlich nicht irren.

Ich verfüge jetzt über Twitter, Telegram, Instagram und sogar reddit. Meines Erachtens nach hat das ganze Gezwitscher aber eine recht überschaubare inhaltliche Tiefe, besonders reddit bewegt sich etwa auf dem Niveau von gute-Frage-net. Und es ist natürlich auch schwer, fake news zu erkennen. So geht halt moderner Krieg.

Die eine oder andere Info aus der Ukraine schnappt man aber schon auf und für mich war ausschlaggebend, dass die Tierschützer an der polnischen Grenze und die Ukrainische Regierung über diese Wege kommunizieren. Die deutschen Nachrichten zitieren ja auch nur aus Instagram, dann kann man besser das Original lesen.

Wo war ich denn eigentlich? Nicht rumschwafeln. Ich beschliesse, es mir einfach zu machen und die Bestellung über eine mir bekannte große Firma abzuwickeln: zooplus. Die gibt’s auch in Polen und siehe da, ich kann mich sogar mit meinem deutschen Account einloggen.

Damit war’s das aber schon mit reibungslos. Mehr als 20 Katzenkörbe darf ich nicht bestellen. Also nehme ich 20 von den billigen und nochmal 5 von den teureren, etwas größeren. Dazu 10 Katzenkloschalen. Die werden auch immer nachgefragt. Für den Anfang reicht es, ich hätte zwar gerne noch ein paar kleine Transporter für Nagetiere mitbestellt, aber die führen sie gar nicht. Merkwürdig.

Die Lieferadresse kann ich problemlos ändern und sogar Annas Telefonnummer angeben. Es ist mir ein Rätsel, aber ich habe den Zettel mit der Lieferadresse des Tierheims verdaddelt. Ich habe nicht die geringste Ahnung wie und wo, habe dreiundachtzig Mal meinen Koffer und den Rucksack ein- und wieder ausgeräumt, alle Seitentaschen durchwühlt, meine Arbeitshefte von der Sprachschule ausgeschüttelt. Nichts. Also muss jetzt doch erstmal der kleine Laden von Anna als Depot herhalten.

Dann wird es aber etwas schwierig. Zooplus teilt mir mit, dass die von mir gewählte Zahlungsmethode aus meinem Land nicht möglich sei. Ja bitte, ich wollte ja sowieso nicht mit Lastschrift sondern mit Kreditkarte zahlen. Dann lasst mich doch! Ich kann es aber nirgends auswählen.

Also wieder ausgeloggt, auf der deutschen Seite eingeloggt, meine Standard-Zahlungsmethode auf Kreditkarte geändert und dann wieder zurück zu den Polen. Brav die Kartendaten der neuen Zahlungsmethode eingegeben und dann „Diese Zahlungsmethode ist nicht möglich“. Toll, man kann auf der ganzen Welt mit VISA bezahlen, nur in Polen nicht?

Google Translate erlöst mich schliesslich: Die Fehlermeldung wird am oberen Rand der Seite nochmal präzisiert: Du nicht mit Karte zahlen, weil Du Rechnungsadresse im Ausland. Das verstehe ich zwar nicht, ich kann jederzeit problemlos in China ordern und die freuen sich sehr über meine Kreditkartendaten. Aber das Problem ist schnell gelöst und ich nehme einen virtuellen Wohnsitz in Polen an.

Alles weitere geht reibungslos und zooplus versichert mir, die Ware schon bald auf den Weg zu bringen. Dann informiere ich noch mit dem allerersten facebook-post meines Lebens die Gruppe am Bahnhof. Dafür habe ich Minimum nochmal eine halbe Stunde gebraucht, irgendwie war das „Schreibe etwas“-Feld auf der Gruppenseite nicht da, wo es laut facebook-FAQ hätte sein sollen. Und ich hatte natürlich Sorge, mich mit einem verratzten Post völlig zu blamieren. Ging dann aber doch und ich habe auch gleich ganz viele Herzchen bekommen 😉

Hier auf dem Bahnhof in Katowice ist die Lage eher entspannt. Auf dem Vorplatz stehen ein paar Zelte mit Liegen, diesmal von der Feuerwehr aufgebaut. Rotes Kreuz oder Caritas habe ich bisher nicht gesehen. Nur die JW stehen wieder blöd in einer Ecke rum. Man darf denen wahrscheinlich nicht in der Arsch treten, oder? Erwachet endlich und packt mit an!


Insgesamt ist alles sehr viel kleiner und familiärer als in Krakau. Es sieht jedenfalls nicht so aus, als ob hier massenhaft Flüchtlinge ankommen. Vielleicht fahren sie ja auch relativ schnell weiter oder werden anderswo untergebracht, alles sehr überschaubar jedenfalls.

Aber auch hier gibt es einen kleinen Stand für die Tiere. Gut sortiert und offensichtlich langweilen sich die Diensthabenden. Trotzdem habe ich schon eine Möglichkeit für eine kleine Hilfe gefunden: Sie haben offensichtlich keine Krankenunterlagen. Nein, Krankenunterlagen ist nichts zum Aufschreiben: Die packt man in die Katzenkörbe, in Ermangelung von Katzenklos. Ist für die Kätzchen deutlich angenehmer, als im eigenen Saft zu schwimmen. Morgen werde ich mich mal mit denen unterhalten und dann sehen wir weiter.

Aber für mich ist jetzt schon klar, dass ich mich auf Hilfe für Krakau konzentrieren werde. Würde auch gerne was für die Helfer direkt an der Grenze tun. Es sind wohl einige britische Tierretter/Tierärzte da, es sollen auch deutsche Tierärzte vor Ort sein. Genaues weiß ich noch nicht. Es flimmert einfach zuviel über die Kanäle, als dass man interessante Meldungen auf die Schnelle herausfiltern könnte.

Die nächsten beiden Tage werde ich mich noch in Oberschlesien rumtreiben und dann geht es wieder nach Hause. Interessant die Bahnpreise in Polen: Für die 6h-Fahrt nach Berlin bezahle ich knapp 20 €. Um dann nach Bremen zu kommen, lege ich nochmal 60 drauf. Und es ist nicht so, dass Polen ein echtes Billligland wäre. Cappucino und belegte Brötchen sind so teuer wie bei uns. Elektronik auch.

Kattowitz selbst ist jetzt nicht so das Reiseziel per se. Hab’s mit Bytom (Beuthen) verwechselt. Aber ich glaube, ich mache morgen einen Ausflug zu dem stillgelegten Bergwerk, lost places fand ich schon immer spannend. Schade, dass man ohne Auto sein Equipment doch stark reduzieren muss und ich die Kamera zuhause gelassen habe.

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