Eine Sprachreise (5)

Wieder herrlich geruht. Kann das daher kommen, dass in meinem Bett im Moment weder zwei- noch vierbeinige Katzen und Hunde ihr nächtliches Unwesen treiben? Aber angeblich bin ja immer ich derjenige, der mit meiner Schnarcherei alle aufweckt 😉

Heute morgen habe ich brav doch noch schnell die Hausaufgaben gemacht – da war ja auch niemand, bei dem ich auf dem Schulweg hätte abschreiben können. Der Roller funktionierte einwandfrei und alles lief richtig rund. Unterricht war wieder super anstrengend, aber das hab‘ ich mir ja selbst eingebrockt.

Mir tut nur die arme Lehrerin leid, die mich mit einer Engelsgeduld immer wieder die gleichen Fehler machen lässt, um mir dann nochmal eine Falle zu stellen 😉 Toll, es macht riesig Spaß und ich bin auch schon wesentlich beherzter, wenn ich in der Öffentlichkeit was sagen will: Bitte einen Döner! Und dann bekomme ich einen Rollo. Das ist doch schon toll! Hätte ja auch einen Bigosch geben können. Sprechen Sie Englisch? Klappt super, die Frage nach „po niemiecku – sprechen Sie Deutsch?“ habe ich mir schon beim letzten Polenbesuch abgewöhnt. Hier in Krakau kann fast jeder fließend Englisch, das macht’s sehr entspannt. Irgendwo mache ich mir da wohl eine unnütze Mühe mit meinem Kurs. Aber der war ja auch eher für das Gehirnjogging. Und für diesen kleinen Spaß, doch ein paar Worte mehr zu verstehen, als die native speakers denken 😉

Heute war mein Plan, nach dem Unterricht nochmal was für die Leute am Bahnhof zu besorgen. Ich habe mich mit meiner nauczyczielka (na, wer von Euch bringt’s über die Lippen? Hihi!) über die Flucht- und Tierproblematik unterhalten. Sie hat Freunde, die eine Katzenauffangstation betreiben und sie weiß ganz gut um die Probleme der Fliehenden. Hat mir ein paar Tips gegeben, wo ich halbwegs preiswert Transportkörbe kaufen könnte.

An dieser Stelle ein Hinweis auf Starrsinn meinerseits: Ich verstehe nicht, was an dem Wort „Flüchtling“ diminuitiv, pejoratif oder sonstwie abwertend sein soll. Erklärt mir das gerne in einem Kommentar (links oben). Für mich ist ein Flüchtling ein Mensch (egal welchen Geschlechts, ob divers oder sonstwas, das ist mir komplett egal) der die ganz große Arschkarte gezogen hat. Oder ist Mensch auch falsch? Die Menschenden?

Flüchtlinge waren meine Vorfahren väterlicherseits und damit auch meine Tante, für die ich diesen Blog eigentlich schreibe. Da muss ich nicht aus einer merkwürdigen political correktheit neue Begriffe erschaffen. „Fliehende“ oder „Flüchtende“ sind für mich grammatikalisch Menschen, die hier und jetzt, in diesem Moment auf der Flucht sind. So wie die, die auch heute wieder in einem Bahnhof in Krakòw übernachten müssen. Soviel dazu.

Ich nehme die Tipps meiner Lehrerin aber erstmal nicht wahr, weil ich gar nicht weiß, wie ich die Kisten bis zum Bahnhof bekommen sollte. Mit einem Roller eher nicht. Also Taxi. Hm. Ich bin Schwabe.

Dann gehe ich nochmal in mich und überlege, ob das alles wirklich so eine gute Idee ist. Ich möchte erst Rücksprache halten, mit den Leuten die da stehen. Mit leeren Händen will ich aber auch nicht auftauchen, also besorge ich einen ganz großen Pack Krankenunterlagen, die ich auch gut irgendwie auf meinem Roller mitbekomme, rechts und links am Arm.


Ich könnte mir vorstellen, dass diese Packen mir vielleicht das Leben gerettet haben. Sie sind groß und weiß und reflektieren vielleicht ein bisschen. Was mein Roller nicht tut. Ich bin froh, dass er überhaupt fährt. Dumm nur, dass mir Tante Google empfohlen hat „jetzt rechts abbiegen“. Bis ich kapiert habe, dass mich das in einen zweispurigen, für Fußgänger, Roller, Fahrräder und sonstwas gesperrten und völlig ungeeigneten Tunnel führt, war es zu spät. Hätte ich gegen den Verkehr wieder rausfahren sollen? Auch keine gute Idee. So habe ich mir ein dickes Fell gegenüber hupenden Bussen und rasenden Taxis gemacht, und siehe da, alle Schutzengel (Danke, Helge!) haben sich heut‘ Abend wieder mal ein Bier aufgemacht. Ihr habt’s geschafft Leute, danke auch von mir! Bitte kümmert Euch weiter!

Dafür habe ich dann vorsichtshalber auch eine Kerze angezündet in der fantastischsten Kirche, die ich je gesehen habe. Ich läster ja schon lange gegenüber meinen norddeutschen drögen Evangelen, dass die Katholen die bessere Show haben. .

Aber urteilt selbst: Die Polen sind katholischer als der Papst! Das dunkle ist nicht irgendwelches Holz, das ist schwarzer Marmor. Sehr stilvoll!

Fa. Gott & Sohn wusste schon immer, was beeindruckt!

Mein Filmchen aus den Katakomben des Bahnhofs habe ich leider immer noch nicht fertig. Als one-man-show ist das alles schwierig. Schon bei den Aufnahmen. Ich müsste eigentlich jemanden für den Ton da stehen haben. Dann muss man viele Megabyte sichten, wovon das meiste Mist ist. Ein paar gute Szenen umbenennen, so dass man sie später wiederfindet

Feststellen, dass die tolle cloud, die man in der Schweiz gebucht hat, alles hochlädt. Und auf der Festplatte löscht. So dass man bei Bedarf (=Filmschnitt) wieder alles runterladen muss. Und da im Hotel natürlich Stunden drauf warten kann.

Ich bemühe mich morgen wieder. Um Filmchen. Um Deals mit den Katzenkistenlieferanten. Katzenklos sind auch sehr gefragt, hab aber noch nicht kapiert, wie das funktionieren soll. Dann muss ich noch massenhaft Krankenunterlagen abholen, die ich heute in der Apteka geordert habe. Toll, der Mann hat sich richtig Mühe gegeben und bezahlen muss ich erst bei Abholung. Das nenne ich Gott vertrauen.

Für heute ist es gut, ich muss ins Bett. Schlaft gut und denkt immer dran, wie schön ein eigenes warmes Bett ist!

Schreibt mir gerne einen Kommentar, der Link ist links oben!

2 Gedanken zu „Eine Sprachreise (5)“

  1. Wer sagt, dass Flüchtling nicht geht? Diminutiv ist das keiner (-lein oder -chen, z. B. Hündchen oder Gelilein 😞) Für mich heißt es flüchtende Menschen, fliehende Tiere… Abwertend ist mir neu! Aber es gibt ja gegenwärtig einige Sprachblüten.

  2. Also nochmal für alle zum Mitschreiben. Flüchtling klingt für manche so ähnlich wie Hänfling, Däumling, Schwächling, Schädling, Schmetterling, Nützling, Säugling, Liebling. Das verwirrt sie und die können das nicht leicht unterscheiden und benutzen lieber gleich ein anderes Wort. Sie gutmeinen es ja nur, und denken dass andere Leute auch so […] sind wie sie und die Unterscheidung ebenfalls nicht hinbekommen. Stimmt aber nicht. Ich habe die negative Assoziation erst durch selbige woken Leute kennengelernt. Wenn ich empfindlicher wäre, würde ich mich diskriminiert fühlen, weil man mir wegen der Benutzung des Wortes Flüchtling pauschal eine Herabsetzung selbiger unterstellt. Aber so lasse ich es wie es ist und lächle nur.

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